Als die Nutzung von Pferden als Transportmittel und als Arbeitstier mit der Industrialisierung im Laufe des 19. Jahrhunderts an Bedeutung verlor, geriet der sportliche Aspekt immer mehr in den Fokus der Menschen. Man besann sich auf die durch militärische Traditionen bekannten Grundregeln und machte diese zur Basis für viele Pferdesportarten, wie sie in heutiger Form bestehen. Doch ist das Reiten trotz seiner Verbreitung und Beliebtheit immer noch ein sehr individueller Sport, denn er fordert nicht nur die Beherrschung der Bewegungsabläufe und die körperliche Fitness, sondern gleichsam psychologische Stärke und emotionale Intelligenz.

Ausbildung des Sportpferdes

Um im Reitsport zu bestehen und Erfolge zu erlangen, muss das Pferd mit dem Reiter kooperieren, Reiter und Pferd müssen Vertrauen zueinander aufbauen. Es kann Jahre dauern, bis ein Sportpferd die nötige Ausbildung hat und bei einem Turnier eingesetzt werden kann. Diese Jahre sollten von ausschließlich guten Erfahrungen begleitet sein, das Tier muss das Wohlwollen des Menschen fühlen. Dafür ist ein achtsamer und vernünftiger Umgang mit dem Pferd unerlässlich. Wie Pferdeflüsterer müssen sich Trainer und Reiter in das Pferd einfühlen, mit emotionaler Intelligenz eine Bindung schaffen. Schließlich hängt der Reiter nicht nur erfolgsmäßig von seinem Pferd ab, sondern auch hinsichtlich von Sturzgefahr und Unfällen. Bei einer Scheitelhöhe von bis zu über zwei Metern ist der Verlass auf die Kooperation des Pferdes nicht zu unterschätzen.

Zucht und Investitionen

Dank der Beliebtheit von Reitsportturnieren und Pferderennen besteht die Chance, die Zucht von leistungsstarken Sportpferden über bei den Turnieren eingenommene Summen zu finanzieren. Dabei ist Pferdezucht kein modernes Thema, sondern schätzungsweise bereits seit den Jahren 5.000 bis 3.000 v. Chr. in Europa, Nordafrika und Asien verbreitet. Als wichtiges Kriterium für die Zucht eines leistungsstarken vierbeinigen Nachkommens wird neben der Gesundheit auch auf die Abstammung des Zuchthengstes geachtet. Künstliche Besamung und Transfer von Embryonen sind nicht ungewöhnlich. Als Grundlage der Pferdezucht dient in Deutschland das Tierzuchtgesetz.

Die Facetten des professionellen Reitsports

Der Pferdesport besteht aus einer Bandbreite an Disziplinen, insgesamt sind es zwölf, teilweise mit weiteren Untergruppierungen. Die Beliebtheit lässt sich nicht pauschal festlegen und variiert vielmehr von Land zu Land. Unter den Favoriten sind jedoch Dressurreiten, Springreiten und Vielseitigkeitsreiten, früher Military, heute Eventing, genannt. Drei Hauptkategorien können beim Reiten unterschieden werden: der Reitsport, der Fahrsport und die Reiterspiele. Der Bereich Fahrsport erfolgt mit einem Gespann aus Pferden, mit Wagenrennen oder Trabrennen. Polo, Ringreiten, Rodeo und weiter Arten werden zu den Reiterspielen gezählt. Zum Reitsport zählen das Dressurreiten und Springreiten, das Galopprennen, Westernreiten, Jagdreiten, das Reiten im Gelände, Wanderreiten, Trabrennen und Voltigieren.

Wettbewerbe im Reitsport

Seit dem Jahr 1912 ist der Reitsport als eine der Disziplinen bei den Olympischen Spielen der Neuzeit vertreten. Erstmals im schwedischen Stockholm wurde das Reiten damit auf großer Bühne eingeführt. 1953 fanden in der französischen Hauptstadt Paris die ersten Weltmeisterschaften im Springreiten statt. Dabei durften pro Nation nur zwei Reiter teilnehmen. Die ersten Weltmeisterschaften im Dressurreiten gab es im Jahr 1966 im schweizerischen Bern mit 24 Reitern aus sechs Nationen. 1966 wurden auch die ersten Weltmeisterschaften im Vielseitigkeitsreiten ausgerichtet. In Burghley kamen im englischen Landschloss dazu knapp vierzig Reiter aus fünf Nationen zusammen, doch lediglich zwei der teilnehmenden Nationen beendeten die Mannschaftsprüfung. Bei Olympia sind Dressurreiten, Springreiten und Vielseitigkeitsreiten vertreten. Bei den Paralympischen Spielen gehört der Reitsport seit 1996 zum Programm, hier jedoch ausschließlich der Bereich Dressurreiten. Für alle Turniere gilt: Es wird nicht zwischen den Geschlechtern unterschieden, Mann und Frau treten gemeinsam im Wettkampf gegeneinander an.